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Hand aufs Herz (Teil2): Das innere Kind und Beziehungen

Glückliche Beziehungen durch Arbeit mit dem inneren Kind


BEZIEHUNGEN sind wundervoll und sehr bereichernd. Ohne sie können wir Menschen kaum überleben. Die Nähe zu FreundInnen, PartnerInnen oder der Familie gibt uns Kraft und Sicherheit. Das war schon in der Steinzeit so. Doch diese Nähe birgt natürlich auch Konfliktpotential. Zum einen, weil wir unterschiedliche Meinungen haben. Zum anderen, weil wir unterschiedlich aufgewachsen sind und uns deshalb vielleicht andere Verhaltensweisen angeeignet haben. Lebens- bzw. Überlebensstrategien (Schutzstrategien), die uns helfen, schwierige oder unangenehme Situationen zu meistern und ggf. Gefühle wie Angst oder Trauer zu verdrängen. Was eine schwierige Situation ist, definiert jeder für sich individuell. Das kann ein Vortrag vor vielen Leuten sein, das Autofahren, ein Anruf beim Amt, die Begegnung mit einer Spinne oder ein Gespräch über die eigenen Gefühle. Jeder schaut durch seine subjektive Brille auf die Welt und handelt entsprechend. Das macht das Ganze, wie ich finde, so spannend!

Wir sehen die Welt nicht so, wie sie ist, sondern so wie wir sind. -- Anaïs Nin (Schriftstellerin)

Wie im letzten Blogeintrag zur Inneren Kindarbeit bereits angekündigt, will ich darauf aufbauend noch einen zweiten Beitrag zum Thema Beziehungen mit euch teilen. Ich habe bereits angeteezert, dass ich neben den Inhalten von Stefanie Stahl einen sehr inspirierenden Podcast dazu entdeckt habe. Und zwar den Podcast von Markus Asano mit dem Titel „Dein inneres Kind“. Er besteht aus kurzen Folgen (ca. 10-20 min), in denen er in verschiedenen Kontexten über die innere Kindarbeit spricht. Die kompakt gehaltenen Folgen haben mich vor einiger Zeit motiviert, wieder tiefer in das Thema einzusteigen. Gerade das Thema Beziehungen in Bezug auf das innere Kind fand ich unglaublich interessant. Hierzu habe ich zwei Folgen zusammengefasst, auf die ich im Weiteren näher eingehen möchte.


Podcast "Dein inneres Kind"

Der schnellste Weg zu einer glücklichen Beziehung

In dieser Folge spricht Markus Asano über den (schnellsten) Weg zu einer glücklichen Beziehung. Seiner Aussage zufolge ist der erste Schritt zu einer glücklichen Beziehung, seine Gedanken zu ändern. Denn (subjektive) negative Gedanken haben Auswirkungen auf unsere Gefühle. Und beide, Gefühle und Gedanken, haben Auswirkung auf unser Handeln. Was wiederum Auswirkung auf unsere Realität hat (z.B. wie ich meine Beziehung wahrnehme).


Markus Asano nennt explizit die falsche (und viel verbreitete) Annahme, dass unsere Mitmenschen Auslöser für unsere (negativen) Gefühle sind. In anderen Worten, wir denken, der oder die Andere ist Schuld daran, dass wir uns in bestimmten Situationen schlecht fühlen. Bzw. würde sich unser Gegenüber anders verhalten, ginge es uns gut. Hier nennt er das Beispiel einer Liebesbeziehung, in dem der männliche Partner einer fremden Frau hinterher schaut, was seiner Partnerin nicht gefällt. Annahme: Nur wenn der Mann sein Verhalten ändert, kann seine Partnerin sich besser fühlen. Folgender positiver Glaubenssatz entkräftet die genannte Annahme:


Glaubenssatz 1:

Ein Großteil der Gefühle, die Mitmenschen in mir auslösen waren schon vorher in mir da.


An dieser Stelle hatte sich in mir noch vieles gesträubt und ich war nicht so ganz einverstanden mit der Aussage. Aber die nachstehende Erläuterung hat mich dann überzeugt! Es ist essentiell, Verantwortung für unsere Gefühle zu übernehmen. So beschreibt es auch Stefanie Stahl in ihrem Buch. Es ist essentiell, den Fokus nach innen zu richten, um zu verstehen, wo die Gefühle herkommen. Nur dann können wir unsere Bedürfnisse erkennen und etwas ändern. Wenn man versucht, den anderen zu ändern, erschafft man nur Leid in der Beziehung. Man hegt die Hoffnung, sich dann selbst gut zu fühlen. Im schlimmsten Fall triggert man das innere Kind des anderen. Das Gegenüber denkt dann ggf., es darf nicht so sein, wie es ist, und reagiert womöglich mit entsprechenden negativen Mustern (=Schutzstrategien).

Hinter schlechten Gefühlen liegen oft schlechte Gedanken. -- Franca Cerutti (Psychotherapeutin, Podcast Hotel Matze)

Um auf das oben genannte Beispiel zurückzukommen: Auch wenn der männliche Partner sich ändert und keinen anderen Frauen mehr hinterher schaut, wäre das Gefühl der Eifersucht bei seiner Partnerin trotzdem noch da und würde früher oder später an anderer Stelle ausbrechen. Die Ursache der Gefühle liegt somit in uns! Markus Asano's Tipp an der Stelle: Sich Zeit nehmen und die Gefühle durchleben. Den Körper beobachten und versuchen zu verstehen, wo das Gefühl herkommt.


Den folgenden Glaubenssatz fand ich unglaublich schön. Es erklärt meiner Meinung nach ziemlich gut, was mit unserem inneren Kind los ist, wenn es mal wieder von seinen Gefühlen überwältigt ist und uns vielleicht sogar beschimpft. Das gleiche gilt für unsere Mitmenschen!


Glaubenssatz 2:

Alles ist ein Ausdruck von Liebe oder ein Ruf nach Liebe.


Dies bedeutet: Jeder Mensch, der wütend bzw. verletzt ist und das an anderen auslässt, schreit innerlich nach Liebe. Es gibt somit keine bösen Menschen und niemand sollte deshalb verurteilt werden. Ich muss zwar nicht einverstanden sein mit dem Verhalten des anderen, aber ich schaue dahinter und will verstehen, was der Grund dafür ist. Laut Markus Asano sollen wir versuchen, das innere Kind im anderen zu sehen, um Verständnis für die Gefühle des Gegenübers zu schaffen. In anderen Worten: den Menschen wirklich gesamtheitlich wahrnehmen. So können wir selbst in der Liebe und im Mitgefühl sein. Das führt dazu, dass man dem anderen genau das gibt, wonach er oder sie sich sehnt: Liebe! Damit tritt Entspannung in der Beziehung ein. Natürlich bedarf das Übung und ist je nach Lebensphase und Art der zwischenmenschlichen Beziehung einfacher oder schwerer umsetzbar. Mich hat es jedoch überzeugt und hilft mir unglaublich im Alltag im Umgang mit meinen Mitmenschen! Was in diesem Zusammenhang noch wichtig ist zu erwähnen: Liebe heißt auch ganz klar Grenzen aufzuzeigen und für sich einzustehen. Gerade in Konfliktsituationen ist das meiner Meinung nach unglaublich wichtig.


Um Konfliktsituationen zu reduzieren kann das Verständnis über den Ablauf von Beziehungen hilfreich sein. Genau darum geht es in der zweiten Folge, die ich rausgesucht habe.


Die vier Phasen einer Beziehung

In dieser Folge spricht Markus Asano von den vier Phasen einer Beziehung und dem Ursprung vieler Probleme: wenn die eigenen Bedürfnisse vom Partner nicht erfüllt werden (z.B. Liebe, Anerkennung, Zärtlichkeit). Die häufige Reaktion darauf ist der emotionale Rückzug und die Beziehung wird im schlimmsten Fall angezweifelt


In diesem Zusammenhang kann ich auch ein Buch empfehlen, welches ein ähnliches Thema behandelt. Und zwar „Die 5 Sprachen der Liebe“ von Gary Chapman. Jeder von uns spricht eine andere Liebessprache und wir müssen oft erst die Sprache unseres Partners erlernen, um fehlerfrei miteinander kommunizieren zu können. Unglaublich spannend und meiner Meinung nach sehr hilfreich für jede Beziehung. Aber ich will nicht zu viel verraten, lest am besten selbst rein!


In vielen Fällen tragen wir Bedürfnisse in uns, welche die des verletzten inneren Kindes widerspiegeln. D.h. wir erwarten das vom Partner, was wir in der Kindheit nicht bekommen haben. Das ist jedoch auf Dauer nicht möglich. Wir selbst müssen diese Bedürfnisse stillen. Doch das muss einem natürlich erst einmal bewusst werden. Und hier kommt auch wieder das Thema der Gefühle ins Spiel. Erst wenn ich verstehe, was ich fühle, kann ich meine Bedürfnisse herausarbeiten.


Liebesbeziehungen werden uns von Klein auf unter anderem durch Filme mit Happy End als immer wundervoll und rosarot verkauft. Doch da steckt viel mehr dahinter. Das zeigt sich in den folgenden vier Phasen:


Die vier Phasen:

1. Verliebtheitsphase

Die Bedürfnisse des inneren Kindes werden beidseitig erfüllt, da sich beide unglaublich anstrengen. Doch wie bereits oben erwähnt, kann diese Energie von beiden auf Dauer nicht aufgebracht werden und die Verliebtheitsphase endet irgendwann.


2. Machtheitsphase

Dann kommt es zur Machtheitsphase. Man merkt, dass die Bedürfnisse nicht mehr erfüllt werden, was ggf. zu Wut und Trotz führen kann. Beide Seiten kämpfen weiter darum und es kann zu einem Wechsel zwischen Resignation und Arrangieren kommen. Laut Markus Asano leben viele Paare länger oder auch für immer in dieser Phase nebeneinander her. Viele trennen sich aber auch in dieser zweiten Phase. Übersteht man diese Phase jedoch, kommt man in die Wachstumsphase.


3. Wachstumsphase

In dieser Phase lernt man die eigenen Bedürfnisse sowie verdrängten Gefühle und damit verbundenen Verhaltensmuster (laut Stefanie Stahl: Schutzstrategien) des eigenen inneren Kindes zu verstehen. Man lernt, sich bewusst selbst zu beobachten und seine Gefühle zu fühlen. Darauf aufbauend kommt man in die Umsetzung (Aktion) und erlernt die Fähigkeit, seine Bedürfnisse selbst zu erfüllen. Markus Asano spricht hier vom Beginn der Transformation. Er betont an dieser Stelle außerdem, wie wichtig es ist, dass hier jede/-r Einzelne selbst Ordnung bei sich macht und man seine/seinen PartnerIn nicht dazu zwingen kann.


4. Bedingungslose Liebe

Ist die Wachstumsphase abgeschlossen, kommt man in die Phase der bedingungslosen Liebe. In dieser können beide ihre Bedürfnisse des inneren Kindes eigenständig stillen und die verdrängten Gefühle sind transformiert. In anderen Worten: man begegnet sich und seinem Gegenüber mit Liebe und Verständnis und gestaltet auch die Kommunikation entsprechend.


Das klappt je Situation natürlich unterschiedlich gut oder schlecht. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein grundsätzlich wohlwollender und entspannter Umgang miteinander eine gute Grundlage bietet, um Konflikte zu vermeiden. Im besten Fall erkennt man frühzeitig, dass man selbst bzw. der Partner gerade getriggert wird und lenkt die Situation mit Humor um. Das funktioniert auch bei mir leider nicht immer, ist aber mein Ziel! Negative Gefühle bzw. Gefühlsausbrüche wird es immer geben. Die Frage ist nur, versteht man warum? Und vor allem: Wie geht man damit um? Das gilt sowohl für die eigenen als auch für die Gefühle unserer Mitmenschen. Auch beim Thema Kindererziehung sicher sehr hilfreich. Ich selber habe aktuell noch keine Kinder. Doch an der Stelle möchte ich meine Tante zitieren: “Kinder triggern dich da, wo es kein anderer schafft”. Wenn man seine Gefühle und die des kleinen Menschen versteht und einordnen kann, nimmt das auch die Spannung in der Beziehung zum eigenen Kind. Denn es kann seine Gefühle noch nicht deuten und braucht dabei die Hilfe von uns Erwachsenen. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr…

Wir begegnen uns in unseren Gemeinsamkeiten und wachsen an unseren Unterschieden. -- Virginia Satir (Familientherapeutin)

Ich hoffe, dass auch euch diese Informationen weiterhelfen und dass eure Beziehungen dadurch noch wundervoller werden und ein Leben lang halten!


Eure Miss Sophie



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